M'era Luna 2009 – Review

Update: Da ich selbst keine Photos machen konnte, bzw. mit meiner kleinen Fuji nicht machen wollte, stelle ich hier ein paar Links zu Galerien rein.

Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Dieses Jahr war die Anreise zum M’era Luna besonders stressig da es direkt im Anschluß an einem Urlaub in Dänemark lag. Und der Weg von Vejlby Klit an der nördlichen Nordseeküste bis nach Hildesheim-Drispenstedt war alles andere als kurz. Wie immer später als geplant losgefahren, nämlich etwa um 10 statt wie geplant um 8, waren wir erst gegen 19:00 Uhr endlich auf dem Zeltplatz des Festivalgeländes angekommen. Wie nicht anders zu erwarten war dieser schon wieder brechend voll. Trotzdem fanden wir noch eine passende Parzelle auf der wir unser nagelneues Zelt aufschlagen konnten. Zelt, Luftmatratze und Faltbank waren schnell installiert und unsere Batterien alle. Zum Abschluß des Tages gabs noch ein paar Bier in der rot leuchtenden Abendsonne. Die Nacht war allerdings nur bedingt erholsam, denn eine Begleiterscheinung solcher Festivals sind die unzähligen Partyrotten um einen herum, welche die ganze Nacht Party machen. Man kanns ihnen ja nicht verübeln, aber Schlaf gabs deswegen leider kaum.

Der Samstag morgen verlief gediegen mit „an-der-Dusche-anstehen“ und verflucht teuren Kaffee sowie Salamibaguette. Und natürlich ein paar obligatorischen Blechbrötchen. Für Festivals unüblich gab es ein großes Zelt des verhältnismäßig günstige Getränke verkauft hat. 0,5l Bierdosen für 1€ sind auf Konzerten ja geradezu spottbillig. Davon einige Portionen und die Zeit bis zum ersten Konzert war damit auch überbrückt.

Den Einstand gaben uns „Letzte Instanz„. Die hatte ich bis dato nur einmal live gesehen und da war ich für sie noch nicht so empfänglich. Allerdings war die Show auf dem M’era Luna so prima dass ich beschlossen habe mir mal wieder ein Album von ihnen zu kaufen. Da war schon ordentlich Stimmung in der Menge, trotz ungruftigem Sonnenschein und gefühlten 30°C.

Im Anschluß sind wir dann in den Discohangar geströmt, denn dieses Jahr debütierte dort eine Modenschau der Modelcommunity Notability Trash, welche die Haute Couture verschiedener Underground Labels präsentierten. Tatsächlich trugen die reichlich gepiercten und tättowierten Mannequins einige sehr schicke Outfits, glänzten aber auch mit erotischen Tanzeinlagen. Was die Temperatur in dem schwül-warmen Hangar noch einmal ein paar Grad klettern ließ.

Auf der Hauptbühne spielten indessen „Die Apokalyptischen Reiter“ und im Anschluß „Oomph!“. Beide haben wir aber nur teilweise aus der ferne mit einem kleinen Imbiss zwischen den Zähnen erlebt. Um dem kommerziellen Aspekt eines solchen Festivals beizukommen, gings dann zum Merch-Stand wo Susi sich ein Festival T-Shirt und wir beide uns je ein T-Shirt von „The Prodigy“ gönnten. Bevor der Abend mit reichlich 4 Konzerten noch genug Stehvermögen erfordern sollte, ging es wieder auf den Zeltplatz um ein bißchen Kraft zu tanken.

Die war auch wirklich nötig, denn Welle:Erdball haben im stickigen Hangar wieder ordentlich gas gegeben. Die bekannten Klassiker wie Starfighter F-104 und Monoton und Minimal und die übliche „lasst euch nicht verblöden!“ Propaganda sorgten für eine prima Party Stimmung.

Wieder im Freien angelangt zeigten Peter Heppner und Band, dass ein Stückchen Wolfsheim immernoch weiterlebt. Leider haben wir wegen W:E davon nur die Hälfte mitbekommen aber es war trotzdem eine gelungene Reminiszenz an den Wolfsheim Auftritt im Jahre 2004 auf der selben Bühne.

Im Anschluß bewiesen die zotteligen Metal-Celisten von „Apocalyptica“ mal wieder dass sich klassische Instrumente und hämmernder Sound nicht ausschließen. Solides Konzert, am besten fand ich aber den bodenständigen Humor der 4 Finnen.

Das Finale des Abends bildeten Nightwish, deren Auftritt mir angesichts der, inzwischen nicht mehr ganz so neuen, Sängerin schon im Vorfeld ein wenig unbehagen bereitete. Nightwish bestand früher natürlich nicht nur aus Tarja Turunen, aber es ist unbestreitbar dass sie mit ihrer Opernstimme einen riesigen Teil der Band ausgemacht hat. Und mit Verlaub, Anette Olzon, kann ihr dahingehend bei weitem nicht das Wasser reichen. Das ist mir bei dem Konzert einmal mehr bewußt geworden und bei den Songs die noch aus der Tarja Ära stammten, mußte ich mir vorstellen dass sie es singt damit es den Zauber der eigentlich wirklich guten Band nicht verfliegen läßt. Aber ich will mal nicht meckern, grundsätzlich war es schon okay. Was ich aber nicht okay fand, war der Ausfall des PA-Systems mitten im Konzert. Erst nach 2 Liedern hat sich mal einer der Roadies bequemt der Band mit Lichtzeichen zu verklickern dass man sie draußen nicht mehr hört. Das Problem konnte dann auch relativ zeitnah gelöst werden und wurde mit ein paar Scherzen des Bassisten Marco Hietala aufgelockert. Ein lustiger Mensch ^^.

Eine Sache war dann allerdings doch sehr traurig, Die Form hätte eigentlich auch auftreten sollen, sind aber leider Krankheitsbedingt ausgefallen. Das ist wirklich sehr sehr schade gewesen.

Wegen schmerzender Glieder und wieder schleichender Müdigkeit haben wir dann auch davon abgesehen noch ein bißchen im Hangar abzuzappeln und sind stattdessen schnurstracks im Zelt verschwunden. Ein bißchen ruhiger ist es inzwischen auch geworden; nach den unzähligen Litern Gerstensaft ist wohl selbst der härteste Partylöwe irgendwann groggy.

Der Festivalsonntag wurde seinem Namen allerdings nicht gerecht. Kühle Morgenluft und grau verhangener Himmel unterstrichen die leichte Katerstimmung. Die einzige Möglichkeit dem entgegen zu wirken, duschen und ein Bierchen frühstücken. Der Vormittag verlief dann auch fast genau wie der des Vortages, also nichts aufregendes. Bevor der Konzertrubel wieder losgehen sollte, wurde meine Willenskraft auf der Shoppingmeile auf die Probe gestellt. Angesichts der vielen Stände die mehr oder weniger nützliche und/oder hübsche Klamotten, Accessoirs und Gothicnippes verscherbeln, setzt der Verstand schon das eine oder andere mal aus und der „ach-das-ist-aber-cool/niedlich/geil“ Reflex läßt einen in Versuchung geraten. Aber wir sind stark geblieben und das einzige Souvenier war die aktuelle Ausgabe des Sonic Seducers, maßgeblich wegen seines Fetish-Pinup Kalenders.

Im Hangar war es dann zu :SITD: wieder ordentlich voll, heiß und stickig. Machte aber nichts, die 3 Jungs ausm Pott haben so gut eingeheizt dass das schnell vergessen war und die viel zu kurze dreiviertel Stunde verging auch wie im Fluge. Auf der Hauptbühne hüpften dann auch schon Rogue von The Crüshadows (die korrekte Phonetik lautet übrigens: [?k?u???ædo?z]) zusammen mit seinen sexy Hupfdohlen umher und klangen gut wie eh und je. Auf die üblichen akrobatischen Traversenkletteraktionen hat er dann aber doch verzichtet. The Crüxshadows muß man einfach hin und wieder mal sehen.

Nach einer kurzen Umbaupause und einem kleinen Wiesen-sit-in legte Alexander Veljanov, seines Zeichens Sänger von Deine Lakaien, los. Ich kann mir vorstellen dass Ernst Horn leuchtende Augen bekommen hat als er seinen Zukünftigen Sänger das erste mal singen gehört hat, denn diese Stimme ist einfach nur fabelhaft. Auch seine Soloalben höre ich immer wieder gerne und bei „Fly away“ fühlt man sich fast so als könnte man dieser Aufforderung folgen. Nebenbei stellten wir fest das A. Veljanov ein bißchen aussieht wie die stilvolle Variante von Graf Dracula.

Nachdem die letzten Töne von Veljanov verklungen sind, ging es zurück auf den Zeltplatz. Diesmal nicht zum pausieren, sondern zum einpacken. Die Tatsache dass die Konzerte nur bis 22.00 Uhr gehen sollten, veranlasste uns gleich den Kommandoposten einzupacken und direkt nach dem Schlußtakt die Heimreise anzutreten. Das ging auch alles ziemlich fix und mit dem Beginn von „Subway to Sally“ standen wir wieder im Publikum vom Mainstage. Offenbar hatten die Metalspielmänner eine ganze Menge Fans angelockt denn die bis dato größte gröhlende Meute war hier zu finden. Nicht zu unrecht. Auch wenn ich STS bisher nur aus der Ferne gehört und auch sonst kein großer Hörer dieser Musik bin, hat mir das Konzert auch sehr gut gefallen. Ordentlich bretternde Gitarrenriffs, eine niedliche Feuershow und ein Sänger der weiß wie er seine Gemeinde zum Mitmachen animiert haben ihr übriges dazu beigetragen. Trotzdem war das nur ein Intermezzo für den Hauptgrund zum M’era Luna zu fahren.

„The Prodigy“ war das Schlagwort und das Festivalfinale. Schon alleine der Bühnenaufbau ließ erwarten dass da einiges auf einen zukommt. Man mag von den britischen Breakbeat-Techno-Electro-Punkern halten was man will, ihre Hits sind nicht ohne Grund hits geworden und die Shows sind definitiv sehenswert. Mögen sie in der Geschichte ihres Bestehens die eine oder andere Krise durchlebt haben, sie sind nie weg gewesen. Jedenfalls haben sie alles gespielt was ich hören wollte. Firestarter, Poison, Voodoo People und natürlich den Song, den wegen seines kontrovers diskutierten Videos wahrscheinlich sogar der letzte Almöhü kennen dürfte, Smack my Bitch up. Meiner Meinung nach eines der geilsten Videoclips ever. Jedenfalls ging es tierisch ab im Publikum und obwohl ich wußte dass ich noch ein ganz schönes Stückchen fahren muß, bin auch ich ganz gut rumgehüpft. Als Zugabe spielten sie dann noch den Klassiker „Out of Space“ welcher erwartungsgemäß ein ordentliches Quantum Publikumsinteraktion provozierte. Und wenn DAS keine Außerirdischen erreicht hat, dann sind wir wohl doch alleine im Universum. Aber wenn man sich einige Besucher des M’era Luna 2009 anschaut, dann sind sie wahrscheinlich schon auf der Erde gelandet.

Jedenfalls war es ein wirklich schönes Wochenende, die lange nächtliche Heimfahrt haben wir gut überstanden und was bleibt sind ein paar schöne Erinnerungen und ein weiteres Festivalbändchen am Handgelenk.

Ein Lob muß ich im übrigen an die Organisatoren aussprechen, es lief alles reibungslos, was man bei 23.000 Besuchern nicht zwangsläufig erwarten kann. Mein einziger Kritikpunkt ist wie immer die idiotische Haltung was SLR Kameras angeht, die wie immer nicht zugelassen waren für nicht-akkreditierte Besucher. Da sollten die Plattenlabels und Agenturen mal drüber nachdenken, denn was steigert die Popularität eines Künstlers mehr als virales Marketing und positives Fanfeedback? Abgesehen davon, Top Festival. Wenn das Lineup stimmt, bin ich nächstes Jahr im August wieder in Hildesheim in der feiernden Gruftimenge zu finden.