Photographieren verboten.

In diesem Artikel möchte ich mich einem, bei Hobbyphotographen sehr ungeliebtem, Thema widmen: Dem Photographieverbot. Ob in Schlössern, Parks, auf Konzerten oder manchmal auch einfach nur auf der Straße. Immer öfter wird man von mehr oder weniger freundlichem Personal oder von Schildern darauf hingewiesen dass man sein Equipment doch besser in der Tasche zu lassen hat. Üblicherweise ist die Wahrscheinlichkeit einem solchen Verbot zum Opfer zu fallen proportional zu zwei Faktoren:

  1. Die Popularität des Ortes oder der Veranstaltung
  2. Die „Profihaftigkeit“ des Equipments

Ganz eklatant ist das Problem bei Konzerten. Je größer und bekannter die Band, desto agressiver reagiert die Security insbesondere auf Spiegelreflexkameras. Die Größe spielt eben doch eine Rolle. Während man mit kleinen Silberknippsen oft problemlos durchs Netz schlüpft, wird es mit SLR und Teleobjektiv und ohne Akkreditierung schon schwieriger bis unmöglich.

FotoverbotIch versuche nun schon seit geraumer Zeit eine Akkreditierung fürs Wave-Gotik-Treffen in Leipzig bekommen. Die Begründungen für die Ablehung waren dabei sehr vielfältig. Unter anderem hieß es: „Die Pressegräben sind sowieso schon überfüllt“, „Die Künstler wünschten keine Kameras“ und schlußendlich einfach „An Privatpersonen werden keine Akkreditierungen rausgegeben“. Das Argument, die Pressegräben seien voll, ist ja noch plausibel. Aber zu behaupten alle Künstler bei bspw. einem großen Musikfestival seien Kamerascheu, ist einfach nur lächerlich. Immerhin profitiert auch deren Popularität indirekt durch privat veröffentlichte Bilder.

Abgesehen davon ist ja trotzdem oft die Differenzierung zwischen „Kompaktkameras“ und „Profikameras“ dafür verantwortlich dass auf vielen Konzerten zwar das sinnlose Rumgeblitze toleriert wird, aber ein Hobbyphotograph, der im allgemeinen weiß, dass man mit Blitzlicht bei Konzerten eher keine Lorbeeren erntet, geht leer aus weil die Security angewiesen wurde SLR Bodies mit großen Linsen herauszufischen.

Die inoffizielle Begründung dafür ist wahrscheinlich, wie sollte es auch anders sein, der wirtschaftliche Aspekt. Die Veranstalter scheinen Verlustängsten zu unterliegen wenn die Gefahr besteht dass die Schar von Photofreunden mit einem Hang zur Konzertphotographie sich eine goldene Nase mit ihren Konzertbildern verdienen könnten. Ich unterstelle jetzt einfach mal dass nur die wenigsten tun wollen. Ich persönlich photographiere weil ich Spaß daran habe und mich an gelungenen Bilder und den damit verbundenen Erinnerungen erfreue. Gerade bei Konzerten steht und fällt das aber mit Equipment – auch wenn einige an dieser Stelle etwas anderes behaupten mögen.

Noch nicht ganz so enervierend aber zunehmend problematischer wird es nun auch bei öffentlichen Kulturstädten wie z.B. dem Schloß/Schloßpark Sans Souci wo man wenn man Pech hat auch vom ansässigen Sicherheitspersonal darauf hingewiesen wird dass photographieren verboten sei. Die gesetzliche Grundlage für solcherlei Erlasse ist das Hausrecht dass bei den Besitzern oder Trägern der Anlagen liegt. In Einzelfällen ist das ja noch verständlich, wenn zum Beispiel öffentlich und privat genutzte Räume sehr dicht beieinander liegen. Oft ist das aber nicht der Fall und man kann einfach nur Gründen der Bosheit ausgehen. Vor allem wenn es sich um Einrichtungen handelt, die mit öffentlichen Fördermitteln, de facto Steuergeldern, (mit-)finanziert wurden, findet mein Verständnis ein jähes Ende.

Dabei wäre es doch oft sogar noch eine zusätzliche Einnahmequelle einfach eine Photovignette für einen angemessenen Betrag zur Verfügung zu stellen. Aber nein, so weit ist der Mensch wohl einfach noch nicht. Einige versuchen diese, oft doch ziemlich sinnfreien, Verbote mit Presseausweisen eher zweifelhafter Herkunft zu umgehen, was aber auch nicht die optimale Lösung ist.

Wie schön war da der Eisschnelllauf World Cup vom letzten Wochenende. Zumindest am Freitag hätte man mitbringen können was man tragen kann (leider hab ich noch nicht soviel was ich hätte tragen müssen :rolleyes: ). Bei einem Bundesliga Fußballspiel dürfte das zwar anders aussehen, aber da ist wieder der Faktor Popularität entscheidend. Letztendlich läßt sich das alles auf simples Platzhirschverhalten zurückführen und ist ein trauriges Zeugnis für den Mangel an soziokulturellen Kompetenzen in Sphären wo primär das Geld etwas zu sagen hat.